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The Hi-Fly Orchestra “Mambo Atomico”

Juli 29th, 2008 · 1 Comment · The Hi-Fly Orchestra

Wie leicht wäre es doch, The Hi-Fly Orchestra unreflektiert mit Klischees zu überschütten: The sound of Copacabana und Karibik, Sonne und Piña Coladas, Palmen und Strandpromenaden. Und so gerne das Girl from Ipanema sicher auch zu “Mambo Atomico” tanzen würde, man würde dieser Band keinesfalls gerecht, bemühte man weiter nur schlaffe Exotica-Allgemeinplätze aus musikalischen Pauschalreisekatalogen.

The Hi-Fly Orchestra, das mit “Mambo Atomico” sein zweites Album vorlegt, besteht aus sechs Münchener Jazzmusikern, die dem Latin Jazz der sechziger Jahre ihre besondere Aufmerksamkeit widmen. Zwischen Samba, Boogaloo und Bossa Nova hat der sprichwörtliche Schmelztiegel New York City wenige Genres so aufgemischt wie Latin Jazz: Energetische Clave-Rhythmen wurden durch Elemente aus Soul, Rhythm and Blues und Rockmusik ebenso bereichert wie von Hard Bop und Cool Jazz, mit einem Ergebnis, das jenseits aller Musiktheorie immer ein ganz besonderer Sound war: Vielfältig und offen, intensiv und stimmungsvoll, oft komplex und stets mitreißend.

Die Band um die Gründer Jerker Kluge und Florian Riedl bedient sich seit nunmehr gut drei Jahren im reichhaltigen Repertoire dieses Sounds, ohne dabei in hüftsteifes Muckertum zu verfallen. Ganz im Gegenteil hat sich das Hi-Fly Orchestra unter Insidern schnell den Ruf einer hervorragenden Liveband erspielt, die verinnerlicht hat, wie Entertainment ohne große Posen elegant und hochmusikalisch sein kann. Diese Bühnenerfahrung kommt “Mambo Atomico” gleich doppelt zugute. Einerseits hört man nämlich, dass man es hier mit einer perfekt eingespielten Kapelle zu tun hat, und andererseits beweist die Songauswahl ein überaus sicheres Händchen. Authentische und vielschichtige Eigenkompositionen treffen auf wohlüberlegte Coverversionen, Respekt vor den Meistern wird liebevoll um eigene Facetten erweitert – und Spielfreude ist König.

Hi-Fly können melancholisch wie aufmunternd, introspektiv wie outgoing, Tito Puente wie Sergio Mendes: So treffen sanft fließende Stücke wie “Polonesa” mit Sängerin Miriam Aida auf Tanzbares wie “Afro-Boo” mit seinen souligen Bläsern oder die messerscharfen Breaks von “Hi-Fly Stomp”, der mäandernde, vom Kontrabass getragene Titeltrack schafft reichlich Raum, während “Gettin’ Down” beinahe klassisch swingend daherkommt. Und so wird nicht nur mit coolem Understatement der Brasil-Standard “Chove Chuva” von Jorge Ben Jor aufgearbeitet, sondern auch Jimi Hendrix’ “Crosstown Traffic”, mit roh scheppernden Drums und unermüdlichen Pianoriffs, höchst originell gekidnappt.

Inmitten von dumpf weichgespültem Latinpop und gefühlt exotischem Brazilectro-Unfug für Beachclubs und Caipi-Buden ist es eine Freude, diese Band zu hören, die sich frei von Anbiederungsreflexen auf einen Stil einlässt, der sich ohne elektronische Spielereien und halbherzige Modernisierungsversuche immer noch am wohlsten fühlt. Coolness kann man eben nicht erzwingen, das lehrte uns Jazz schon immer. Man hat sie einfach.

Ralf Theil, im Juli 2008

The Hi-Fly Orchestra (THFO), Besetzung:
Florian Riedl (sax, flute), Johannes Herrlich (trombone), Chris Gall (piano), Jerker Kluge (bass), Hajo von Hadeln (drums), César Granados (percussion)

CDs, Foto- und Videomaterial schicken wir Ihnen gerne bei Bedarf zu.

Weitere Anfragen zu The Hi-Fly Orchestra, ihren Releases und für das Booking bitte eine mail an uns von Brave George Music.

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